Victron Laderegler: MPPT richtig auswählen

Wer eine Solaranlage für Wohnmobil, Camper oder Gartenhaus plant, steht schnell vor der Frage, welcher Victron Laderegler zu den Modulen und zur Batterie passt. Wir erklären, worauf es bei Spannung, Strom und Leistung ankommt, und rechnen ein Beispiel vollständig durch.

Kurz beantwortet (Stand: Oktober 2026)

  • Die Typenbezeichnung nennt zuerst die maximale PV-Spannung, dann den Ladestrom: Ein 100/30 verträgt bis 100 V Leerlaufspannung und lädt mit bis zu 30 A.
  • Die nominale PV-Leistung hängt von der Batteriespannung ab: Der 100/30 nimmt bei 12 V bis 440 W, bei 24 V bis 880 W auf.
  • Die Leerlaufspannung der in Reihe geschalteten Module muss auch bei Kälte unter dem Grenzwert bleiben. Victron empfiehlt als Faustregel einen zusätzlichen Sicherheitsabstand von 10 %.
  • SmartSolar hat Bluetooth eingebaut, BlueSolar nicht; dort lässt es sich mit dem VE.Direct-Bluetooth-Dongle nachrüsten.

Welcher Victron Laderegler passt zu meiner Modulleistung?

Für die Auswahl prüfen Sie drei Werte in dieser Reihenfolge:

  1. Batteriespannung: 12 V, 24 V oder 48 V. Die Modulleistung, die ein Regler verarbeiten kann, steigt mit der Batteriespannung, weil bei gleichem Strom mehr Leistung fließt.
  2. Modulleistung: Die Summe aller Module darf die „Nominal PV power“ des Reglers bei Ihrer Batteriespannung nicht deutlich übersteigen. Laut Victron begrenzt der Regler die Eingangsleistung, wenn mehr PV-Leistung angeschlossen ist. Das Überangebot geht dann ungenutzt verloren.
  3. Modulspannung: Die Leerlaufspannung (Voc) der Reihenschaltung muss unter der maximalen PV-Spannung des Reglers liegen, auch bei Kälte (siehe nächster Abschnitt).

Zusätzlich muss die PV-Spannung die Batteriespannung plus 5 V überschreiten, damit der Regler startet. Danach genügt Batteriespannung plus 1 V (Victron-Datenblatt, Fußnote 1b zur Nominal PV power).

Übersicht: Victron MPPT-Laderegler im AceFlex-Shop

Die Werte stammen aus den Victron-Datenblättern (siehe Quellen). Die Preise sind Listenpreise des AceFlex-Shops, Stand 19.10.2026; der Steuersatz wird im Checkout bestätigt.

Typ Max. PV-Spannung (Voc) Max. Ladestrom Max. PV-Leistung 12 V / 24 V / 48 V Listenpreis
SmartSolar 75/10 BT 75 V 10 A 145 W / 290 W / – 46,90 €
SmartSolar 75/15 BT 75 V 15 A 220 W / 440 W / – 51,90 €
SmartSolar 100/15 BT 100 V 15 A 220 W / 440 W / – 56,90 €
SmartSolar 100/20 BT 100 V 20 A 290 W / 580 W / 1.160 W 66,90 €
SmartSolar 100/30 BT 100 V 30 A 440 W / 880 W / – 92,90 €
SmartSolar 100/50 BT 100 V 50 A 700 W / 1.400 W / – 128,90 €
SmartSolar 150/35 BT 150 V (145 V Start/Betrieb) 35 A 500 W / 1.000 W / 2.000 W 132,90 €
SmartSolar 150/60 MC4 BT 150 V (145 V Start/Betrieb) 60 A 860 W / 1.720 W / 3.440 W 244 €
SmartSolar 150/70 VE.Can MC4 BT 150 V (145 V Start/Betrieb) 70 A 1.000 W / 2.000 W / 4.000 W 279 €
SmartSolar 250/100 VE.Can MC4 BT 250 V (245 V Start/Betrieb) 100 A 1.450 W / 2.900 W / 5.800 W 418,90 €
BlueSolar 100/30 (ohne Bluetooth) 100 V 30 A 440 W / 880 W / – 79,90 €
BlueSolar 150/70 TR (ohne Bluetooth) 150 V (145 V Start/Betrieb) 70 A 1.000 W / 2.000 W / 4.000 W 236,90 €

Alle gelisteten Modelle waren am 19.10.2026 im Shop als lieferbar markiert. Die 75/10, 75/15, 100/15 und 100/30 sind laut Victron für 12/24-V-Batterien ausgelegt; der 100/20 und alle Typen ab 150/35 verarbeiten auch 48 V.

SmartSolar oder BlueSolar – was ist der Unterschied?

Laut Victron-Übersichtsdatenblatt liegt der Unterschied vor allem bei Bluetooth: SmartSolar-Modelle haben es eingebaut, BlueSolar-Modelle nicht. Sie lassen sich mit dem VE.Direct-Bluetooth-Dongle (31,90 €) nachrüsten. Victron nennt als Vorteil, dass das Gerät ohne Dongle nicht per Bluetooth erreichbar ist. Bei SmartSolar-Modellen lässt sich Bluetooth bei Bedarf abschalten.

Zwei weitere Unterschiede laut Victron: Den externen Temperatur- und Spannungssensor Smart Battery Sense unterstützen nur SmartSolar-Modelle. Und die SmartSolar 150/60 und 150/70 haben laut Übersichtsdatenblatt Fernschalt-Anschluss und programmierbares Relais, die BlueSolar-Varianten gleicher Größe nicht.

Alle Modelle haben einen VE.Direct-Anschluss. Eine VE.Can-Schnittstelle bieten nur ausgewählte Typen, etwa die 150/70 VE.Can und die 250/100 VE.Can. Sie ist vor allem für Anlagen mit mehreren Reglern gedacht. Parallel lassen sich mit VE.Can bis zu 25 Regler synchronisieren, per Bluetooth bis zu 10 (Datenblatt VE.Can-Reihe).

Beim Preisvergleich lohnt der Blick auf die ganze Ausstattung: Der BlueSolar 100/30 kostet 79,90 €, der SmartSolar 100/30 mit Bluetooth 92,90 €. Der Aufpreis von 13,00 € liegt unter dem Dongle-Preis von 31,90 €. Wer Bluetooth ohnehin nutzen will, fährt mit SmartSolar also günstiger.

Wie berechne ich die maximale Modulspannung (Kälte!)?

Die auf dem Modul angegebene Leerlaufspannung (Voc) gilt bei 25 °C. Bei niedrigeren Temperaturen steigt sie. Victron weist im Handbuch ausdrücklich darauf hin, bei der Zahl der in Reihe geschalteten Module Voc und Temperaturkoeffizient zu berücksichtigen. Für Anlagen in kalten Regionen oder mit Nachttemperaturen um oder unter 10 °C gilt laut Handbuch als Faustregel ein zusätzlicher Sicherheitsabstand von 10 %.

So gehen Sie vor:

  1. Voc eines Moduls aus dem Datenblatt ablesen.
  2. Mit der Anzahl der in Reihe geschalteten Module multiplizieren.
  3. Zuschlag für Kälte aufschlagen (mindestens 10 % nach Victron-Faustregel, genauer über den Temperaturkoeffizienten aus dem Moduldatenblatt).
  4. Ergebnis mit der maximalen PV-Spannung des Reglers vergleichen. Bei 150-V- und 250-V-Reglern nennt Victron zwei Werte: den absoluten Maximalwert unter kältesten Bedingungen (150 V bzw. 250 V) und den Wert für Start und Betrieb (145 V bzw. 245 V). Planen Sie sicherheitshalber mit dem niedrigeren Wert.

Rechenbeispiel: 2 × 200-W-Module, 12-V-Batterie

Annahmen (Beispielwerte, bitte durch die Daten Ihrer Module ersetzen): zwei Module mit je 200 W, Voc 22,8 V pro Modul, 12-V-Batterie, Temperaturkoeffizient der Leerlaufspannung −0,30 %/K, tiefste zu erwartende Zellentemperatur −10 °C.

Schritt Reihenschaltung Parallelschaltung
Voc bei 25 °C 2 × 22,8 V = 45,6 V 22,8 V
Kältezuschlag (35 K × 0,30 %/K = 10,5 %) 45,6 V × 1,105 ≈ 50,4 V 22,8 V × 1,105 ≈ 25,2 V
Passender Regler (Spannung) 75-V-Klasse reicht 75 V reicht
Modulleistung 400 W

Bei 12 V Batteriespannung nimmt der 75/15 nominal nur 220 W auf, der 100/20 290 W. Beide wären für 400 W zu klein. Der SmartSolar 100/30 (440 W bei 12 V) deckt die 400 W ab. Grob überschlagen: 400 W geteilt durch eine Ladespannung von 14,4 V ergibt etwa 28 A (ohne Verluste), das liegt unter den 30 A des Reglers. Bei einer 24-V-Batterie genügte schon der 75/15, der dann bis 440 W annimmt.

Die Spannung ist in Reihe wie parallel unkritisch. Die Reihenschaltung hat den Vorteil geringerer Ströme und dünnerer Leitungen. Beachten Sie bei Parallelschaltung den Kurzschlussstrom: Victron gibt für jeden Regler einen maximalen PV-Kurzschlussstrom an (100/30: 35 A, 100/20: 20 A). Dieser Wert darf nicht überschritten werden.

Lohnt sich MPPT gegenüber PWM?

Ein PWM-Regler zieht die Modulspannung auf das Niveau der Batterie. Ein MPPT-Regler betreibt die Module dagegen im Punkt maximaler Leistung und wandelt Überschussspannung in zusätzlichen Strom um. Laut Victron-Datenblatt steigert der schnelle MPPT-Algorithmus den Ertrag „um bis zu 30 %“ gegenüber PWM-Reglern. Victron nennt das besonders für bewölkten Himmel mit wechselnder Lichtintensität. Wie hoch der Mehrertrag in Ihrer Anlage ausfällt, hängt von Modulen, Temperatur und Wetter ab; eine feste Zahl können wir nicht zusichern.

Ein weiterer praktischer Vorteil: MPPT-Regler erlauben höhere Modulspannungen. Sie können mehrere Module in Reihe schalten und mit dünneren Leitungen arbeiten. Die Spitzeneffizienz liegt bei den meisten Victron-Modellen bei 98 %, beim 250/100 bei 99 %.

Welche Größe für Wohnmobil, Gartenhaus oder Inselanlage?

  • Kleines Wohnmobil / Camper mit 100 bis 220 W: Bei 12 V reichen 75/15 oder 100/15 (je 220 W), bis 145 W auch der 75/10. Bis 290 W passt der SmartSolar 100/20. Er ist auch Bestandteil unseres 260-Watt-Wohnmobil-Sets (343,13 €, Listenpreis Stand 19.10.2026): 260 W liegen unter den 290 W, die der Regler bei 12 V verarbeitet.
  • Größeres Wohnmobil / Gartenhaus mit 300 bis 700 W bei 12 V: 100/30 (bis 440 W) oder 100/50 (bis 700 W). Bei 24 V verdoppelt sich die Leistung.
  • Inselanlage mit 24 oder 48 V und 1.000 W oder mehr: Ab 150/35 (2.000 W bei 48 V) aufwärts. Der 150/60 verarbeitet bei 48 V bis 3.440 W, der 250/100 bis 5.800 W. Laut Victron-Datenblatt lassen sich bei den VE.Can-Typen bis zu 25 Regler synchronisieren.

Rechnen Sie mit etwas Reserve nach oben, wenn Sie die Anlage später erweitern wollen. Zur Überwachung der Batterie ergänzt der Victron Smart Shunt 300A (54,90 €) die Reglerdaten um den tatsächlichen Batteriezustand. Unser Sortiment finden Sie im AceFlex-Shop. Bei Unsicherheit helfen wir Ihnen gern: Beratung anfragen.

Häufige Fragen

Funktionieren Victron Laderegler mit Lithium-Batterien (LiFePO4)?

Ja. Das Handbuch nennt Voreinstellungen für Lithium-Eisenphosphat (12 V: Absorption 14,2 V; 24 V: 28,4 V), die sich anpassen lassen; die Float-Werte nennt das Handbuch je nach Abschnitt unterschiedlich. Prüfen Sie die Werte immer anhand der Herstellerangaben Ihrer Batterie. Laut Datenblatt kann der Regler zudem eine vollständig entladene Lithium-Batterie mit integrierter Abschaltung wieder anschließen.

Wie viele Tracker haben die Regler?

Die Victron-Datenblätter der Typen ab 150/60 mit MC4-Anschlüssen nennen einen MPPT-Tracker: Die MC4-Paare sind parallel auf einen Tracker geschaltet. Für zwei Dachflächen mit unterschiedlicher Ausrichtung nehmen Sie deshalb zwei Regler.

Ab welcher Spannung startet der Regler?

Die PV-Spannung muss die Batteriespannung um 5 V überschreiten, damit der Regler startet. Danach genügt Batteriespannung plus 1 V (Victron-Datenblatt).

Kann ich einen BlueSolar später mit Bluetooth ausstatten?

Ja, mit dem VE.Direct-Bluetooth-Dongle. Alternativ lässt sich ein BlueSolar über VE.Direct-Kabel mit einem Display oder einem GX-Gerät verbinden.

Was passiert, wenn meine Module mehr Leistung haben, als der Regler verarbeitet?

Laut Victron begrenzt der Regler dann die Eingangsleistung. Das kostet Ertrag. Wichtiger sind Spannung und Kurzschlussstrom: Diese Grenzwerte dürfen nicht überschritten werden.

Quellen

Tom Tischer-Robbers
Tom Tischer-Robbers, Geschäftsleitung AceFlex GmbH
Elektroniker für Betriebstechnik, B.Sc. Betriebswirtschaft. Wir planen und installieren Photovoltaik, Speicher und Wallboxen.
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